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Jürgen Kothe geht in Ruhestand

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Jürgen Kothe geht in Ruhestand -Tschüß

Das hat der Leiter der Altenpflege-Schule in Papenburg bewirkt

Von Daniel Gonzalez-Tepper  Emszeitung Papenburg Onlinebericht 17.09.2019

 

Seit 1992 leitet Jürgen Kothe die Berufsfachschule Altenpflege in Papenburg. Diese Ära endet in Kürze, weil die Pflegeausbildung reformiert wird und Kothe in den Ruhestand geht. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper

Papenburg.

Nach fast 28 Jahren an der Spitze der Berufsfachschule für Altenpflege in Papenburg geht Jürgen Kothe in Kürze in den Ruhestand. Er baute die Schule nicht nur aus dem Nichts heraus auf, sondern erlebte die Veränderungen im Gesundheitswesen bis hin zu der bevorstehenden Reform mit. Mit unserer Redaktion blickte der 63-Jährige zurück und auch nach vorn.

Die Entscheidung, sich in den Dienst der Menschen zu stellen, sei bei der Bundeswehr gefallen. "Der Sanitätsdienst in der Kaserne in Leer hat mich geprägt", sagt Kothe. Dort machte er nicht nur eine Ausbildung zum Sanitäter, sondern auch zum Ausbilder für Sanitäter, holte parallel in der Freizeit die Fachhochschul-Reife nach. Kothe, gebürtiger Emder, verfügte nämlich zunächst "nur" über einen Hauptschulabschluss. Es folgte ein Studium an der Fachhochschule des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Göttingen zum Lehrer für Pflegeberufe. 

Vor einem Berg voller Arbeit stand Kothe, als ihn die Stiftung Marienhospital (damals Träger des Krankenhauses) 1992 mit der Aufgabe betraute, eine Altenpflegeschule, in der auch Aus- und Weiterbildung betrieben werden sollte, aufzubauen. "Es gab damals ja weder Räumlichkeiten und Mobiliar, selbst ein Budget dafür gab es nicht. Geschweige denn Lehrpersonal oder Lehrpläne", berichtet Kothe.

Auch Kooperationspartner für die praktische Ausbildung gab es nicht, inzwischen sind es dem Schulleiter zufolge jeweils 13 ambulante und 10 stationäre Einrichtungen. Aus einer Einzügigkeit mit 26 Schülern wurden drei Klassen mit 72 Plätzen, die von fünf hauptamtlichen und elf nebenberuflichen Lehrkräften unterrichtet werden.

Viele Höhepunkte und einige Tiefschläge

Privat wie beruflich gab es für Kothe in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten viele Höhe-, aber auch Tiefpunkte. Wegen eines Erschöpfungssyndroms fiel der Schulleiter fast eineinhalb Jahre aus. "Ich musste lernen, nicht alles persönlich zu nehmen und alles selbst erledigen zu müssen", gesteht er ein.

Begeistert wiederum blickt er auf von ihm initiierte Vorträge mit bis zu 350 Teilnehmern zurück, auf das 20-jährige Bestehen der Schule, zu dem es einen einwöchigen Zirkusworkshop mehrerer Generationen samt Aufführungen im Zelt gab. Rund 800 Altenpfleger hat Kothe in seiner beruflichen Laufbahn ausgebildet und 300 Teilnehmer bei Fort- und Weiterbildungen begleitet. 

Kritik übt er an politischen Entscheidungen im Gesundheitswesen. "Der Fachkräftemangel ist hausgemacht. Dass hier eine Lawine auf die Gesellschaft zukommt, habe ich früh prophezeit. Geändert hat sich lange Zeit nichts", sagt Kothe, der nach eigenem Bekunden überzeugtes Mitglied der ev.-luth. Kirche ist, was für ein Leitungsamt im Umfeld einer katholischen Bildungseinrichtung nicht alltäglich ist. Er habe aber immer den ökumenischen Glauben in den Vordergrund gestellt und gelebt.

Dass in der Altenpflege heute vieles "eng getaktet" sei und kaum mehr Zeit für Zwischenmenschliches bleibt, dafür seien nicht nur Kranken- und Pflegekasse verantwortlich. "Die Angehörigen der Pflegebedürftigen sind oft diejenigen, die über jede Kleinigkeit im Pflegevertrag diskutieren und dann Dinge herausnehmen lassen, um Geld zu sparen. Qualität in der Pflege an 365 Tagen im Jahr gibt es aber nun mal nicht zum Nulltarif", sagt der inzwischen überzeugte Papenburger, der mit seiner Frau drei Töchter hat. und 2 Enkelkinder

Neue Pflegeakademie geht am 1. Oktober an den Start

Am 30. September endet die Ära der Altenpflegeschule Papenburg und damit auch Kothes Zeit als Schulleiter.

Am 1. Oktober geht die Schule, gemeinsam mit der Krankenpflegeschule am Marienhospital, in die Pflegeakademie St. Anna Papenburg über. Ab 2020 werden nämlich Pfleger aus den Bereichen Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege zwei Jahre lang zusammen ausgebildet, erst im dritten Lehrjahr findet eine Spezialisierung statt. "Ich wünsche den Verantwortlichen eine glückliche Hand, dass am Ende auch tatsächlich mehr Fachkräfte in allen drei Bereichen zur Verfügung stehen.

Dafür ist nämlich viel Überzeugungsarbeit notwendig", weiß Kothe aus Erfahrung. Leiterin der Berufsfachschule-Altenpflege- bis 2020 wird Hedwig Rode, ihre Stellvertreterin ist Anke Borgmann. Ob die Pflegeakademie wie berichtet tatsächlich in das frühere Bahnhofsgebäude in Papenburg zieht, steht noch nicht fest.

Den Ruhestand will der 63-Jährige zwar auch für Reisen mit dem Wohnmobil nutzen, Reisetagebuch schreiben aber nicht nur Freizeit haben.

Geplant ist ein Buch über den Umgang mit dem Tod, auch als Dozent, freier Journalist und Fotograf will er tätig werden.

Und sein Faible für die Aquarell-Malerei will er weiter ausleben, im Mittelpunkt stehen dabei der Surrealismus und die Künstler Salvador Dalí .

 

Wichtiger Fürsprecher der Altenpflege in Papenburg geht verloren

Ein Kommentar von Daniel Gonzalez-Tepper

Papenburg. Den Menschen, die in pflegerischen Berufen tätig sind, stehen gravierende Änderungen bevor: Aus bisher drei Berufsfeldern, nämlich Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege, wird die „Ausbildung in der generalistischen Pflege“. Jürgen Kothe, bisher Leiter der Berufsfachschule Altenpflege in Papenburg, wird diese Reform nicht mehr mitmachen. Ein Kommentar.

Auch wenn der 63-Jährige dazu die Möglichkeit gehabt hätte, noch einige Jahre aktiv zu sein, nimmt er Abschied und geht nach 45 Berufsjahren in den Ruhestand.

Damit verliert dieser Zweig in der Pflege einen wichtigen Fürsprecher. Unermüdlich hat Kothe in den vergangenen fas 28 Jahren für eine Ausbildung in der Altenpflege geworben und in der Zeit fast 800 überwiegend junge Menschen ausgebildet. Er verbindet zu Recht seinen Abschied mit dem Appell, diesen Bereich der Altenpflege bei der bevorstehenden Reform, in der die Ausbildung an auch an Pflegeakademien stattfindet und an in einer  Berufsfachschule- Pflege -, nicht zu vernachlässigen.

Für die Auszubildenden bedeutet die Reform, dass sie mehr Einblicke in alle Bereiche der Pflege gewährt bekommen. Das alleine genommen ist sehr positiv. Fachleute befürchten indes, dass die Schüler am Ende den für sie einfachsten Weg wählen, wenn sie die Entscheidung für eine Spezialisierung treffen müssen. Und da droht der Alten- und Intensivpflege das Nachsehen.

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Zur Person . 92e0d2b811173b3e5b077fb0d37de911 201906111653 platformuser Gonzales

 Redakteur Daniel Gonzalez-Tepper, Jahrgang 1978, ist am Niederrhein aufgewachsen und hat dort bereits während der Schulzeit für die Rheinische Post journalistisch gearbeitet. Nach einer Banklehre und einem Journalistik-Studium wechselte er 2008 zur Westdeutschen Zeitung. Nach einem Jahr bei der Meppener Tagespost verstärkt er seit Juni 2016 die Redaktion der Ems-Zeitung in Papenburg mit Schwerpunkt Digitales.